Religionsgeschichte

Leun mein heutiger und Wetzlar mein langjähriger Wohnort liegen im schönen Lahntal, in Mittelhessen, mit dem roten Punkt gekennzeichnet.

Wetzlar und Leun Orte liegen an der Lahn, nach Ihrer Richtungsänderung nach Westen.
Diese Region an Lahn u. Dill war als Randgebiet der warmen u. fruchtbaren Wetterau schon früh in der Steinzeit besiedelt u. nahm schon in der Steinzeit viele Einwanderungsschübe auf. Als erster besiedelte der Homo Erectus vor etwa 800.000 Jahren Europa. Er entwickelte sich in Mitteleuropa während der letzten Eiszeiten zum typischen Neandertaler. Schon der Neandertaler kannte einen Totenkult. Er bestattete seine verstorbenen Angehörigen und legte ihnen Gaben ins Grab.
Vor 50000 und 30000 Jahren gab es neue Einwanderungen aus Nordafrika und Vorderasien nach Europa. Der Typus des Homo sapiens sapiens verdrängte ältere Typen. Es war nirgendwo auf der Erde eine vollständige Ausrottung. Selbst viele Wissenschaftler versuchen den Beitrag der Neandertaler zur heutigen Bevölkerung und Kultur, teils ziemlich unwissenschaftlich zu verdrängen. Durch Vermischung und Selektion entstanden neue regionale Varianten des Menschen. Einwanderer brachten immer auch ihre Religion mit, die in der Regel mit der Religion der alteingesessenen Bevölkerung vermischt wurde. Die Mischung von Kultur und Anlagen zweier Bevölkerungen brachte immer einen Entwicklungsschub mit sich. Die Region um Wetzlar war vom Klima so begünstigt, das es auch vor 50000 Jahren in der Würmeiszeit von Menschen besiedelt blieb. Vor etwa 8000 Jahren wanderten Bauern vom Balkan in andere Teile Europas ein. Die neue Kultur/Ernährungsweise führte zu einem stärkeren Bevölkerungszuwachs. Auch ein verändertes Klima und neue Ernährungsweisen beeinflussten die Religion. Die frühen Menschen wurden besonders durch die Naturgewalten beeindruckt und sahen darin göttliche Kräfte oder direkt Götter. Die meisten Menschen wünschten sich ein weiterleben nach dem Tod in irgendeiner Form (Walhalla, Ewige Jagdgründe, Paradies, Nirwana). Besonders der Übergang zum Ackerbau veränderte die Religiösen Vorstellungen sehr. Die Völker, die noch viel von der Jagd und in kargen Gegenden z.B. im Norden lebten hatten eher eine sehr dem Tod in Kauf nehmende Einstellung. Germanen und Indianer verherrlichten den Kampf und den Tod im Kampf. Der Zweikampf wurde durchgeführt, um Gottesurteile zu erlangen. Der eigne Tod war ein Opfer an die Götter und für die eigne Gruppe. Vor einem entscheidenden Krieg versprachen die Germanen die gesamte Beute und alle Gefangenen Odin zu opfern. Hatten die frühen Jäger versucht die Tiere als zukünftige Beute zu beschwören sich jagen zu lassen, wurden später Göttern Opfer dargebracht, um Ziele z.B. den Erfolg im Krieg, bei der Jagd und bei der Ernte.
Das heutige Hessen war das kulturelle, sprachliche u. biologische Übergangsgebiet zwischen dem Norddeutschen (Nordische Megalithkultur/Urgermanen) und dem alpinen Raum.
Nach der Einwanderung der Schnurkeramiker/Streitaxtleute/Urindogermanen aus dem "Nordkaukasus bzw. dem heutigen Russland" in mehreren Wanderungswellen um etwa 3000 und 1200 Jahren vor Christus entstanden in Süddeutschland, bis Hessen als Randgebiet, die Kelten. Die alpine Hallstadt-Kultur wandelte zur Latene-Kultur der Kelten.  Nördlich davon entstanden auch aus Mischung der nördlichen Megalithleute mit den Schnurkeramikern die Germanen.
Auch im Raum Wetzlar gibt es alte Gräberfelder. In der Bronzezeit dominierten die Hügelgräber, welche z.B. im Wald von Finsterloh zu finden sind. Anschließend setzte sich die Urnenfeldbestattung durch.
Die Schnurkeramiker führten die Eisenverarbeitung in großen Teilen Europas ein. Die Verwendung des neuen Metalls in der Kriegstechnik, und im Ackerbau erklärt ihre militärische Überlegenheit und ermöglichte ihre Ausdehnung auf fast ganz Europa und große Teile Asiens (Indogermanen), mit den damit verbundenen Völkerwanderungen. Dies betrifft vor allem die Ausbreitung der Sprache und den kulturellen Einfluss.

Die religiösen Mythen der Germanen deuten die historische Vermischung von Indogermanen und nördlichen Megalithleuten als Kampf zweier Göttergeschlechter, der Wanen und Asen an. Diese Religion hatte noch sehr viele naturreligiöse Vorstellungen. Zwerge, Nymphen und Riesen vervollständigten die Weltanschauung der Germanen. Auch die Germanischen Götter und Geister wurden nach der Christianisierung in neuer Form in Mythen, Märchen und Sagen weiter in Erinnerung behalten. Nie wird der alte Glaube ganz aufgegeben. So ergeben sich bei der Ausbreitung einer Religion bald neue Varianten. Man kann soweit gehen, das der Protestantismus in Deutschland und Skandinavien auch Wurzeln in alten germanischen Religionsvorstellungen hat.
Es hat immer wieder deutlich Vermischungen der religiösen Vorstellungen gegeben. Auch der heutige Hinduismus ist eine religiöse Vermischung, zwischen Althinduismus und der indogermanischen Götterwelt. Der Budismus hat in seiner Ausbreitung nach Tibet, China und Japan viele regionale religiöse schamanistische Vorstellungen aufgenommen.
Es bleiben viele Rätsel offen. Warum hatten die Urslawen und Balten zwar eine indogermanische Sprache, aber eine ganz andere Religion, als wir sie von den Indogermanen kennen? Eine Möglichkeit wäre, das es die Religion der Kurgan-Leute ist, während nach der Vermischung mit dem Bauernvolk im Nordkaukasus die typische indogermanische Götterwelt (des Bauernvolkes) vorherrschte. Das würde bedeuten, das ein Teil der nördlichen Indogermanen gar nicht aus dem Kaukasus kommt. Ein Teil der Kurgan-Leute oder verwandte Völker könnten unvermischt in Siedlungsgebieten nördlich des im Nordkaukasus entstandenen neuen Volkes gesiedelt haben, als Vorfahren der Slawen. Die Balten und vielleicht auch die Germanen könnten aus der Mischung von nördlichen Megalithleuten und den Kurgan-Leuten entstanden sein. Die anderen Indogermanischen Völker hätten ihre Basis in den Urindogermanen im nördlichen Kaukasus nach der Vermischung mit dem Bauernvolk. Dies würde auch die sprachliche kulturelle und genetische Situation der späteren indogermanischen Völker besser erklären.
Die Vorindogermanische alpine Bevölkerung verehrte die Erde als weibliche Mutter - Göttin, z.B. der Fruchtbarkeit.
Die Indogermanen hatten ihre Göttervorstellungen schon sehr vermenschlicht.
Um Christi Geburt drangen die Römer bis in das Lahngebiet vor und errichteten mehrere militärische Stützpunkte.
Nach der Schlacht im Teuteburger Wald im 9. Jahr nach Christi mussten die Römer die Lahnregion, also schon nach wenigen Jahren wieder aufgeben. Die Überlebenden gefangenen römischen Soldaten wurden Odin geopfert, indem sie zwischen 2 Bäumen gebunden zum Himmel geschleudert und zerrissen wurden. In Eichehainen wurden blutige Opfer, auch Menschenopfer gebracht. So blieb der direkte religiöse Einfluss der Römer gering. Erst später drang das Christentum über die westlichen Teile des Frankenreiches auch ins die östlichen Reichsteile.
Frankenkönig Chlodwig trat, wie versprochen, nach seinem Sieg über die Alemannen um etwa 600 nach Chr. zum Christentum über. Als dessen Folge wurde auch Hessen etwa um 800 n.Chr. zum Christentum bekehrt. So kommt es, das viele Kirchenbauten kurz nach dem Religionswechsel begonnen wurden. In der Frühzeit konkurrierte der Katholizismus mit dem Arianismus. Dies resultierte aus einer frühen Kirchenspaltung. Vor allem die Ostgermanen wandten sich dem Arianismus zu. Doch als sie sich in Spanien, Frankreich und Italien niederließen nahmen sie den Katholizismus an, um den Gegensatz zur einheimischen Bevölkerung zu reduzieren. Die alte Religion wurde im Freien ausgeübt, um den göttlichen Naturgewalten nah zu sein. Oft wurden die Kirchen auf den Eichenhainen, den bisherigen Verehrungsorten errichtet um die Überlegenheit des neuen Gottes zu beweisen. Dies wurde in der ganzen Welt von vielen Religionen praktiziert. Die Moslems haben z.B. auf von den Hindus verehrten Plätzen und dem Tempelberg der Juden ihre Moscheen gebaut.
So missionierte der irische Mönch Bonifatius sehr erfolgreich und radikal.
Er schändete die Germanischen Heiligtümer, indem er in den Opferhainen alte Eichen fällte.
Als der Zorn der Götter ausblieb traten die Chatten zum Christentum über. Einige alte Traditionen überdauerten allerdings zumindest zeitweise. Alte Götter wurden in Geister und Sagengestalten umgewandelt, wie Frau Holle, Zwerge, Riesen, Nixen und Elfen. Die Verschmelzung der 2 Göttergeschlechter der Megalithleute und der Indogermanen führte zu einer gewissen religiösen Verwirrung. Sie rangen miteinander. Ziu (Zeus), Wotan (Vater der Götter), und Odin konkurrierten als oberster Gott. Donar/Thor war der Gott des Donners. Frigg/Frija (die Liebliche) war die Frau Wotans und die Göttin der Fruchtbarkeit. Allerheiligen wurde schon in vorchristlicher Zeit von den Kelten als Totengedenktag zelebriert (Haloween). Fasching war die Zeit, in der die Geister des Winters vertrieben wurden. Auch Erntedank war ein hoher vorchristlicher Bauernritus. Während die Kelten Berufspriester/Heilkundige, die Druiden kannten, kannten die Germanen keinen Priesterstand. Bei den Kelten hatten weibliche Götter eine größere Bedeutung als bei den Germanen. Hier wirkte der Einfluss der alpinen Religion mit der Verehrung der Mutter Erde als Lebensspendende Hauptgöttin nach. Für religiöse Handlungen, z.B. Opferhandlungen wurden bei den Germanen vornehme Männer zu Priestern gewählt. Für die Familie opferte der Hausherr, für die Sippe der Sippenälteste. Die Sippe richtete sich nach der männlichen Verwandtschaft.
Die Übernahme des Christentums, mit vielen Vorstellungen und Bräuchen aus dem Orient brachte Probleme mit sich. Der Gedanke von der Liebe gegenüber dem Feind konnte sehr lange nur oberflächlich wirken. Auch die Reformation war mit eine Folge dieser Probleme. Die ursprüngliche germanische Gesellschaft widerstrebte einer Herrschaft, z.B. eines Königs oder Papstes. Die Frankenkönige förderten das Christentum auch, um demokratische/anarchische Bestrebungen zu unterbinden.
s. auch http://www.boudica.de/